Meine erste Chemotherapie-Sitzung
Heute, genau 7 Wochen nach dem Arzttermin, der die ganze Entwicklung ins Rollen gebracht hat, habe ich meine erste Chemotherapie-Sitzung, ergänzt durch eine Immuntherapie-Gabe.
Luma fährt mich und meine Tochter in die Onkologische Tagesklinik des Klinikums. Beide haben alles Mögliche dabei um mir die Sitzung zu verschönern. Wir müssen eine Weile warten, dann wird mir einer der bequemen Therapiesessel zugewiesen. Meine Begleiterinnen breiten sich mir gegenüber an einer Sitzgruppe aus. Da kommt die Krankenpflegerin : Ja das geht aber nicht – Sie dürfen nicht hierbleiben!
Enttäuscht überlassen mich die Beiden meinem Schicksal hier und weichen in die Cafeteria aus. Meine besorgte Tochter verspricht mir jede Stunde mal vorbeizuschauen.
1. Chemotherapie mit Paclitaxel
Mein Port wird angeschlossen, ein kleiner Piecks, und erst einmal Blut abgenommen und Kortison infundiert um Entzündungen zu verhindern. Schwester Magdalena stellt sich vor, sie sei heute für mich zuständig. Die ersten 90 Minuten werde ich eine Infusion mit Paclitaxel erhalten, das besonders die peripheren Nerven und Gefäße an Händen und Füßen schädigen würde (Polyneuropathie). Deshalb soll ich mir zur Kompression viel zu kleine Latexhandschuhe und Socken anziehen. Darüber stülpt mir Magdalena tiefgekühlte Eishandschuhe und Fußüberzieher. Durch Kompression und Kälte verengen sich die Blutgefäße, was den Wirkstofftransport in die Extremitäten verringert.
Doch es ist sooooo kalt, dass es schmerzt. Immer wieder knete ich Finger und Zehen ein wenig um sie wieder zu spüren. Mir hierbei Erfrierungen zu holen ist ja wohl auch kaum zielführend! Magdalena tauscht die Kühlteile zweimal aus. Dann endlich ist die erste Sitzung überstanden.
2. Chemotherapie mit Carboplatin
Nach einer Weile wird die zweite Chemotherapie mit Carboplatin angeschlossen. Magdalena kommt mit einem Stapel Unterlagen und erklärt mir fast die gesamten 90 Minuten lang mit welchen möglichen leichteren bis schweren Nebenwirkungen auf die Behandlung zu rechnen sei, und wie darauf zu reagieren wäre. Mir schwirrt der Kopf. Dann wird zum Glück Mittagessen verteilt. Meine Tochter schaut wieder mal vorbei, ob ich mich langweile? Ganz und gar nicht – ich wünsch mir eher ein bisschen Ruhe!
3. Immuntherapie mit Pembrolizumab
Zuletzt kommt die Infusion mit Pembrolizumab, einem biotechnologischen Antikörper. Als Immuntherapie kann Pembrolizumab sogenannte immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen, bei denen das eigene Immunsystem auch gesunde Organe angreift. Während die Infusion in meinen Körper läuft, darf ich mir in Vorahnung des bevorstehenden Haarausfalls aus einer Kiste eine bunte Kopfbedeckung aussuchen und döse ein Weilchen vor mich hin.
Nach einer Gesamtdauer von 5 1/2 Stunden ist die Sitzung vorbei.
Als direkte Wirkung spüre ich die nächsten 30 Stunden eine innere Unruhe, Aufgeregtheit und das Restless-Legs-Syndrom. Daneben leichte Kopfschmerzen…
Ich und das schlimme Wort mit K
15. Die Sache mit den Leukozyten


