Aufruhr der Lymphknoten
Im Dezember waren irgendwie Alle krank. Die typische Erkältungszeit. Auch ich war angeschlagen und habe mir deshalb nicht so viele Gedanken darüber gemacht, als ich beim Duschen geschwollene Lymphknoten in der rechten Achsel bemerkte.
Als die zwei Wochen später, zu Weihnachten, noch immer nicht kleiner geworden waren, googelte ich und las, dass das eine Immunreaktion sein könnte, genauso aber auch auf andere Krankheiten hinweisen könnte und unbedingt abgeklärt werden sollte.
Während der Feiertage hat ja eh jeder zu. Für den 8. Januar bekomme ich zum Glück einen Termin bei meinem Hausarzt. Im Ultraschall zeigen sich wohl drei geschwollene Lymphknoten. Die sähen eigentlich noch unbedenklich aus, ich solle jedoch unbedingt möglichst bald bei meiner Frauenärztin meine Brüste untersuchen lassen. Wann sei ich denn das letzte mal dort gewesen? Ich suche in den Wolken nach einer Antwort… eigentlich keine Ahnung. Mein bisheriger Frauenarzt war 2018 in Rente gegangen…
Mein Hausarzt nickt ahnend. Ich solle unbedingt Druck machen… er wisse, die Ärzte blockierten oft Neuzugänge, doch einen Termin erst so in drei vier Monaten zu haben sieht er sehr kritisch…
Ich starre vor mich hin. Um mich herum verdichtet sich immer mehr eine dunkle Wolke der Vorahnung.
Zuhause setze ich mich gleich ans Telefon, und meine drei geschwollenen Lymphknoten erwärmen das Herz der Sprechstundenhilfe. Obwohl sie eigentlich keine Neuzugänge annehmen würden, erhalte ich einen Termin in zwei Wochen, am 23. Januar.
Fünf suspekte Lymphknoten und ein dunkler Fleck
Die junge Frauenärztin ist mir auf Anhieb sympathisch. Ich kann die Ultraschall-Untersuchung auf dem Monitor mitverfolgen. Das grau-Faserige der Brustdrüsen und dann ist da plötzlich etwas dunkles Rundes. Ich fühle Übelkeit aufsteigen. Sie untersucht noch auf der anderen Seite Brust und Lymphknoten. Das Bild verschwimmt hinter den aufsteigenden Tränen.
Tja… sie sieht mir tief in die Augen. Es ist ernst! Die linke Seite ist zum Glück frei und gesund, jedoch auf der rechten, das sieht nicht gut aus, das sei wohl Krebs… und sie hat fünf geschwollene Lymphknoten entdeckt. Das müsse möglichst bald durch eine Mammographie abgeklärt werden. Wie geht es mir jetzt? Ich wische die Tränen ab und spüre in die Leere – es… geht.
Ich soll noch im Wartezimmer auf Termine warten. Ich bin wie in Trance.
Ihre Sprechstundenhilfe ergattert mir einen Termin bereits in 4 Tagen in der Radiologie und am 2. Februar im Brustzentrum zur Biopsie, einen Tag nach meinem Geburtstag.
Puhhhh, das geht schnell! Wenn es so schnell geht, dann ist es wohl ernster als sie gesagt hat, geht mir durch den Kopf.
Während ich von Rosenheim nach Kolbermoor zurückradel laufen die Tränen haltlos über mein Gesicht. Ich starre Löcher in die Landschaft, merke kaum wie ich nach Hause gekommen bin.
Am Abend besuchen mich mein Sohn mit der Schwiegertochter und Alex. Ich berichte… sie starren mich erst ungläubig dann entsetzt an.


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