Es bleibt spannend mit meinem Immunwert
Zur dritten Chemotherapiesitzung bin ich ziemlich sicher, dass Alles passt und schicke meine Begleiterin wieder nach Hause. Habe ich mir doch die zwei Aufbauspritzen verpasst. Doch wieder Stirnrunzeln… Trotz der Aufbauspritzen liegt mein Immunwert unter dem geforderten Mindestwert! Und jetzt???
Wenn wir das nicht hinbekommen, muss meine Krebstherapie beendet werden. Ich starre die Ärztin ungläublig an. In meinem Kopf braut sich ein Gewitter zusammen.
In wieweit stimmt denn der Wert nicht? 1,47 von geforderten 1,50. Aber das ist doch nah dran!? Hm… also auf eigenes Risiko könnte ich heute die Chemotherapie erhalten. Und dann schauen wir mal, wie mein Körper reagiert und sich die Immunwerte entwickeln.
Ich freue mich auf die nächsten Tage, da mich wieder meine Tochter aus Hamburg besucht. Doch wegen meiner miserablen Immunwerte sitzen wir uns nun ständig mit Maske gegenüber und Essen getrennt. Das Ganze schlägt schon ganz schön auf die Psyche…
Immunwert sinkt noch tiefer
Eine Woche später wird es noch düsterer. Der Immunwert liegt bei 1,1… Ich breche in Tränen aus. Da hat man es eh so schwer mit solch einer Diagnose, mit der Bedrohung die der Brustkrebs triple negativ darstellt. Dann stellt man sich auf die therapeutischen Maßnahmen ein, und wünscht sich, dass das dann auch funktioniert… Und nun?
Die Stationsschwestern versuchen mich zu trösten. Die Ärztin meint sie müsse Rücksprache mit dem Team halten. Eine Stunde vergeht. Dann die Botschaft, irgendwelche anderen Parameter würden nicht ganz so schlecht sein. Und da ich so fit wäre und mir bisher keinen Infekt zugezogen hätte, soll die Therapie fortgesetzt werden. Welch Erleichterung!
Allergische Reaktion
Fünf Minuten nachdem nun die Infusion mit Paclitaxel gestartet war fühle ich vom Beckenboden her Hitze aufsteigen. Bekomme ich nun Durchfall? Ich überlege mir noch wie ich am Schnellsten mit den Infusionsschläuchen zum WC gelange, da wird mir übel. Dann legt sich ein Druck auf die Lunge. Jetzt ist es nicht mehr lustig! Die Hitze steigt wie Lava immer höher… in Sekunden. Mein Herz wie in einer Faust. Kann ich noch schreien oder mit den Händen klatschen und auf mich aufmerksam machen?!? Ich habe das Gefühl, sollte diese Welle mein Gehirn erreichen, war es das.
Da wendet sich die Schwester, die sich gerade um die Patientin mir gegenüber kümmert, um, sieht mir die Panik ins Gesicht geschrieben und ruft laut: Notfall! Notfall Koschier!
Dann geht Alles ganz schnell und es wuselt um mich herum. Die Infusion wird gestoppt, mein Puls, Blutdruck und der Sauerstoffgehalt meines Blutes werden geprüft. Die Ärztin injeziert Kortison ins System und die Lavawelle in mir ebbt langsam wieder ab. Puhhhh…
Warum war das nun passiert? Solch eine Chemotherapie wird die ersten Male mit reduzierter Geschwindigkeit verabreicht. Da ich das bisher ganz gut vertragen hatte, hatte die Schwester die einlaufende Dosis auf „Normalniveau“ gesteigert.
Es bleibt spannend
Nächsten Donnerstag liegt mein Immunwert wieder unter dem Soll, aber immerhin auf 1,41. Mein Fall wird wieder im Team diskutiert. Ergebnis: Ich soll nun in Zukunft nur 80 Prozent der Chemotherapie erhalten, da mein Körper ja offensichtlich so intensiv darauf reagiere. Diese reduzierten Infusionen müssen nun aber erst angesetzt werden. Deshalb erhalte ich nun schon mal die dreiwöchige Immuntherapie, die heute auch wieder dran sein.
Anflug von Polyneuropathie
Die Infusion läuft seit zehn Minuten, da bemerke ich, dass sich meine linke Backe anfühlt wie wenn ich beim Zahnarzt eine Spritze zur Lokalanästhesie erhalten hätte. Ich greife nach meinem Handy und google. Könnte das Vorzeichen eines Schlaganfalls sein… Ich stöhne auf und rufe nach der Schwester. Und wieder wird die Infusion gestoppt… Und auch hier stellt sich nun heraus, dass der Einlauf erstmalig auf Normalgeschwindigkeit gestellt wurde. Ich muss die Dinge in Zukunft mehr hinterfragen und kontrollieren!
Am nächsten Tag ist das pelzige Gefühl in meiner linken Gesichtshälfte zum Glück wieder verschwunden. Das war wohl ein Anflug von Polyneuropathie.
Ich und das schlimme Wort mit K
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