Operation von Brusttumor und Lymphknoten

Operation von Brusttumor und Lymphknoten

Zwischen OP-Hemd, Herzkissen und großen Fragezeichen

Manchmal gibt es Tage, an denen man sich wünscht, einfach morgens aufzuwachen und festzustellen: War alles nur ein ziemlich schlechter Traum?

Bei mir war das leider nicht der Fall. Wegen der schweren Nebenwirkungen, besonders der Neutropenie, war meine EC-Chemotherapie abgebrochen worden. Und nun sollte so schnell wie möglich der Tumor aus der Brust entfernt werden.

Am Tag vor meiner Brust-OP sollte ich schon früh im Klinikum sein. Also Koffer gepackt, Nerven zusammengesucht und ab ins Krankenhaus.

Herzkissen und Drainagetasche zur Operation

Beim Beziehen meines Bettes bekam ich von der Psychoonkologie zwei Dinge, die mich sofort berührt haben: ein selbstgenähtes Herzkissen und ein kleines Täschchen für die Wunddrainagebeutel. Das Herzkissen soll später unter der Achsel liegen und die empfindliche Stelle entlasten.

Solche kleinen Gesten machen wirklich einen Unterschied. Und überhaupt: Die Menschen hier sind wirklich alle unglaublich nett. Da fühlt man sich zumindest menschlich gut aufgehoben.

Erst einmal: eine kleine Reise in die Nuklearmedizin

Vor der eigentlichen OP stand noch die Untersuchung zur Bestimmung des sogenannten Wächterlymphknotens an.

Dafür bekam ich eine radioaktive Substanz in die Brustmitte gespritzt. Danach ging es in eine dieser futuristisch aussehenden Röhren, in denen man möglichst still liegen soll, während Bilder gemacht werden. Fast eine Stunde lang.

Brust Szintigraphie

Ich lag da und dachte mir vermutlich ungefähr alles, was man in so einer Situation eben denkt.

Danach ging es zurück auf Station – und dort wartete schon mein Mittagessen auf mich: Backhähnchen.

Kleine Anmerkung: Beim Check-in hatte ich extra angegeben, dass ich Vegetarierin bin. Offenbar wollte man mich vor der OP noch einmal auf die Probe stellen. 😅 Eine Schwester hat es dann zum Glück problemlos ausgetauscht.

Im Klinikum zur Operation

Der große Tag – die Operation

Am nächsten Morgen war um 7 Uhr schon die Oberärztin bei mir. Sehr herzlich, sehr sympathisch und vor allem: Sie machte einen richtig fitten Eindruck.

Das ist in so einer Situation Gold wert. Ich hatte sofort das Gefühl: Da bin ich in guten Händen.

Und erstaunlicherweise hatte ich in dem fremden Bett sogar ziemlich gut geschlafen.

Gegen 8 Uhr wurde ich dann abgeholt, gekleidet in Supersexy OP-Unterhose plus OP-Hemd und langen weißen Strümpfen.

Operation von Brusttumor und Lymphknoten

Ich wurde samt Bett durch die Gänge geschoben, mit dem Aufzug runter, mit einem anderen Aufzug wieder rauf und schließlich zur Sonografie gebracht.

Dort wurden unter örtlicher Betäubung Drähte und Metallmarker in den Tumor in meiner Brust und in einen Lymphknoten gesetzt.

Das klingt jetzt erst einmal ziemlich gruselig. Und ehrlich gesagt: Es sah auch so aus.

Aber es war letztendlich gar nicht so schlimm.

Anschließend wurde ich zur Kontrolle der korrekten Lage noch in die CT-Röhre geschoben. Dann wieder zurück auf Station.

Und um 9:15 Uhr ging es schließlich zur OP. Ich war die Erste an diesem Tag.

Das Gute daran: Man bekommt eigentlich nur noch das fröhliche Scherzen des Anästhesieteams mit.

Und dann…

Licht aus.

Und plötzlich war es vorbei

Irgendwann wachte ich im Aufwachraum wieder auf.

Benebelt, irgendwo zwischen Traum und Realität.

Aber mit einem entscheidenden Gedanken:

Überstanden.

OP des Triple Negative Brustkrebs

Die Oberärztin kam später zu mir und erklärte mir, was sie gemacht hatte: Ein etwa 3 cm großes Stück aus der Brust wurde entfernt und außerdem drei Lymphknoten.

Jetzt hieß es warten.

Warten auf die Histologie.

Denn erst die Untersuchung des entfernten Gewebes würde zeigen, ob rund um den Tumor ausschließlich gesundes Gewebe entfernt worden war und ob damit alles Notwendige erwischt wurde.

Das Problem war nämlich, dass mein Brustgewebe sehr fest ist. Dadurch konnte man den Unterschied zwischen gesundem Gewebe und Tumorgewebe weder ertasten noch mit bloßem Auge sicher erkennen.

Deshalb war die vorherige Drahtmarkierung so wichtig gewesen.

Und immerhin: Der Clip saß laut meiner Oberärztin genau in der Mitte.

Jetzt hieß es Daumen drücken.

Ein bisschen Bewegung, ein bisschen Schmerzmittel – und ein bisschen Eigeninitiative

Am Nachmittag kamen Alex und meine Tochter zu Besuch.

Zusammen rollten wir meinen Infusionsständer gleich zweimal den Gang rauf und runter. Nicht gerade mein klassischer Nachmittagssport, aber immerhin: Der Kreislauf sollte wieder in Schwung kommen.

Besuch im Krankenhaus

Ich bekam Schmerzmittel angeboten. Zum Glück hatte ich die noch nicht genommen.

Denn bevor ich irgendetwas einnehme, schaue ich normalerweise ganz gern mal nach, was da eigentlich drinsteht und welche Nebenwirkungen so dazugehören.

Und siehe da:

Kann den Blutdruck stark senken. Bei ohnehin niedrigem Blutdruck. Wie bei MIR. 😆

Und dann stand da noch etwas von einer seltenen, aber sehr gefährlichen Nebenwirkung: Agranulozytose – also einer starken Verminderung der weißen Blutkörperchen.

Ich dachte mir nur: Na wunderbar. Die Nebenwirkungen passen ja wie die Faust aufs Auge.

Meine Nachtschwester stürmte wenig später tatsächlich in mein Zimmer und fragte, ob ich die Schmerzmittel schon genommen hätte. „Nein.“ Zum Glück!

Denn die hätten bei mir tatsächlich überhaupt nicht gepasst.

Ich bekam stattdessen ein anderes Medikament.

Da denkt man ja schon ein bisschen: Es ist wirklich nicht schlecht, wenn man selbst auch noch mitdenkt und kontrolliert, was einem da so verabreicht wird.

Zwei Tage später: endlich nach Hause

Nach zwei Tagen durfte ich wieder nach Hause.

Und ich war SO froh.

Vor allem war ich froh, den Druckverband und die Wunddrainagefläschchen loszuwerden.

Die nächsten Wochen sollte ich bequeme Sport-BHs tragen.

Die Wunde an der Brust machte mir schon bald kaum noch Probleme.

Ganz anders die Achsel. Der Schnitt dort machte mir noch lange zu schaffen. Auch der Bereich dahinter war empfindlich und geschwollen. Aber immerhin: Ich war wieder in meinem eigenen Bett.

Und das ist nach einem Krankenhausaufenthalt plötzlich purer Luxus.

Schlechte Nachrichten im Klinikum

Eine Woche später: die Nachricht, auf die ich nicht gehofft hatte

Eine Woche später, am Freitag, hatte ich den Termin zur Besprechung des OP-Ergebnisses.

Ich hatte so sehr gehofft, dass es jetzt langsam leichter werden würde.

Dass die Chemo ihren Job gemacht hatte.

Dass man sagen würde: Alles raus, jetzt geht es Schritt für Schritt bergauf.

Aber leider kam es anders.

Sowohl in der Brust als auch in den drei entfernten Lymphknoten waren noch aktive Tumorzellen vorhanden.

😞

Das war ein ziemlicher Schlag.

Die bisherige Chemotherapie hatte leider nicht besonders gut gewirkt.

Es gibt einen Score von 0 bis 5, wobei 5 für die beste Wirkung steht.

Bei mir war es gerade einmal eine 1.

Das war wirklich enttäuschend.

Ich hatte so gehofft, dass die bisherige Behandlung viel mehr bewirkt hätte.

Tja.

😭

Und jetzt? Noch einmal OP.

Schon in der folgenden Woche sollte nachoperiert werden.

Mehr Brustgewebe muss entfernt werden, weil vermutlich noch Tumorreste in der Brust vorhanden sind.

Und auch beim Thema Lymphknoten stand plötzlich eine Entscheidung im Raum.

Man könnte die Lymphknoten in der Achsel – ungefähr zehn Stück – komplett entfernen. Es wird mir allerdings nicht ausdrücklich empfohlen, sondern als Möglichkeit angeboten.

Alternativ kann die Achsel bestrahlt werden.

Laut Ärzt:innen sind beide Möglichkeiten in meinem jetzigen Zustand grundsätzlich gleichwertig: Entweder die Lymphknoten werden entfernt und anschließend nicht bestrahlt, oder die Lymphknoten bleiben drin und die Achsel wird bestrahlt.

Das ist jetzt eine dieser Entscheidungen, bei denen man sich wünscht, jemand würde einfach sagen:

„Mach genau das. Das ist richtig.“

Aber so einfach ist es leider nicht.

Meine Heilpraktikerin und Freundin Sabine rät mir eher davon ab, die Lymphknoten entfernen zu lassen, weil dabei das Risiko für Komplikationen im rechten Arm relativ hoch sein kann.

Also heißt es wieder: informieren, abwägen, entscheiden.

Und hoffen, dass ich die richtige Entscheidung treffe.

Der Therapieplan wird noch einmal ordentlich umgekrempelt

Am Donnerstag findet die Tumorkonferenz statt.

Dort wird meine Situation noch einmal von verschiedenen Fachrichtungen besprochen und die weitere Therapieplanung festgelegt.

Möglicherweise eine neue Chemotherapie und/oder Bestrahlung.

Und danach?

Auf jeden Fall noch einmal eine Chemotherapie über weitere sechs Monate.

Die Immuntherapie läuft währenddessen weiterhin alle drei Wochen parallel.

Es ist gerade ziemlich viel.

Und ehrlich gesagt hatte ich mir den weiteren Weg nach der OP ganz anders vorgestellt.

Ich hatte gehofft: OP geschafft, dann wird es langsam leichter.

Stattdessen heißt es nun:

Noch eine OP.

Bestrahlung.

Noch sechs Monate Chemo.

Und weiterhin Immuntherapie.

Und vor allem die große Hoffnung, dass die nächste Chemotherapie besser wirkt.

Denn genau das ist bei meinem Tumor besonders wichtig, um das Risiko von Metastasen zu verhindern.

Und dann musste ich einfach mal raus

Nach diesem Gespräch war mir alles zu viel.

Also bin ich in den Wald gegangen.

Einfach eine Runde laufen.

Und heulen.

Manchmal braucht es eben keine klugen Worte, keine positiven Sprüche und auch kein „Du schaffst das!“.

Manchmal muss man einfach irgendwo stehen, tief durchatmen und Rotz und Wasser heulen.

Runde im Wald zum Heulen

Und danach vielleicht weitergehen.

Meine Tochter war zum Glück noch da und konnte mich trösten.

Das war in diesem Moment unglaublich wertvoll.

Die zweite OP

Und nun stand schon die nächste Operation an.

Wieder früh morgens.

Wieder um 8 Uhr.

Wieder OP.

Wieder Aufwachraum.

Wieder dieses benebelte Gefühl, irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.

Die OP scheint gut verlaufen zu sein.

Wobei ich inzwischen gelernt habe, das Wort „gut“ etwas vorsichtiger zu benutzen.

Zweite OP Runde

Final gut ist es nämlich erst, wenn die Histologie es auch sagt.

Und genau auf dieses Ergebnis warten wir nun wieder.

Morgen soll ich wahrscheinlich schon wieder nach Hause dürfen.

Jaaaaaa!

Denn nach der letzten Nacht freue ich mich ganz besonders auf mein eigenes Bett. 😅

Die Dame neben mir hat mit laufendem Fernseher geschlafen.

Ich hatte in der ersten Hälfte der Nacht noch mit Restless Legs und Schmerzen zu kämpfen.

Und natürlich durfte ich nur auf dem Rücken liegen.

Sagen wir es so:

Schlaf ist in dieser Nacht eher theoretisch vorhanden gewesen.

Frühstück im Klinikum

Weiter geht’s

Wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe, dann wohl, dass man einen solchen Weg nicht planen kann.

Man kann sich auf eine OP vorbereiten.

Man kann sich informieren.

Man kann versuchen, positiv zu bleiben.

Man kann sich sogar ein sexy OP-Hemd anziehen. 😆

Aber was danach kommt, entscheidet manchmal die Histologie.

Und die hat bei mir leider einen anderen Weg eingeschlagen, als ich gehofft hatte.

Jetzt heißt es wieder warten.

Auf die Ergebnisse.

Auf die Tumorkonferenz.

Auf den neuen Therapieplan.

Und auf die nächste Chemo, von der wir sehr hoffen, dass sie diesmal deutlich besser wirkt.

Ich bin gerade traurig, enttäuscht und manchmal auch einfach nur erschöpft.

Aber ich bin noch da.

Und ich gehe weiter.

Manchmal auf eigenen Beinen.

Manchmal mit Infusionsständer.

Und manchmal eben mit einem kleinen Umweg durch den Wald – zum Heulen. ❤️

Ich und das schlimme Wort mit K

23.

  1. Neujahr und der Geier

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