Die Limonade vom Limonaderer von Saubach

Die Limonade vom Limonaderer von Saubach

Geschichte vom Glück und der Wertschätzung von heute selbstverständlichen Dingen, wie einer Flasche Limonade.

von Ludwig Koschier, meinem Schwiegervater:

Als ich ein Kind im Alter von sieben oder acht Jahren war, war mir nur das Dorf Hattenhofen vertraut, in dem ich mit meiner Mutter,  zwei Schwestern und dem Stiefvater wohnte.  Jedoch hatte ich schon von einem Nachbarort Oberschweinbach, landläufig Saubach genannt, gehört, denn dort befand sich eine kleine Limonadenproduktion.

Die Limonade vom Limonaderer von Saubach
Ludwig Koschier als Kind in Hattenhofen

Dieser Limonaderer Wolf, ein freundlicher Mann im graublauen Arbeitskittel, kam alle vier Wochen mit seinem kleinen Lastwagen auch zu uns, und fragte in jedem Haus nach dem Bedarf.  Und, wenn ja, so wurde ein halbes oder auch ganzes Tragl abgeladen. Wir Kinder beschauten uns die Schätze auf dem Wagen und durften wohl auch, wenn Mutter es erlaubte, eine erste Flasche aufmachen. Herrlich schmeckten die ersten Schlucke, und noch heute fühlt mein Gaumen das Prickeln. Orangen und Zitronengeschmack war dabei, oder die roten Himbeerkracherln.

Die Flaschen, das Tragl wurde in den Keller gebracht. Und an heißen Tagen schlich ich mich manchmal dorthin, um aus einer Flasche zu trinken.

Die Limonade Wolf aus Oberschweinbach

Wolf hatte seinen Stellenwert bei uns Kindern. Im Übermut hing ich mich sogar einmal an die Bordwand seines anfahrenden Autos und lief mit. Jedoch konnte ich nicht Schritt halten mit dem Fahrzeug, welches schnell beschleunigte, sodass ich die Bordwand auslassen musste. Ich stürzte mit der blanken Brust auf die Sandstraße. Mein Geschrei war groß, und der erste Schmerz auch. Wir Kinder waren im Sommer barfuß unterwegs, und hatten nur eine Hose an. Mutter war natürlich sofort zur Stelle, half mir und tröstete mich. War sie doch sehr froh, dass nicht mehr passiert war.

Limonade zur Belohnung

Im Jahr 1950 wurde unsere Kirche renoviert. Der Lehrer malte ein Bild vom Ort an die Decke. Viele Stellen im Innenraum wurden vergolde, und es gab viel Arbeit. Auch wir Kinder halfen mit beim Abnehmen und Tragen der Gegenstände. Ich war inzwischen elf Jahre alt geworden, und konnte gut gebraucht werden. Herrlich war dann eine Pause, als der Mesner uns jedem eine Flasche Limonade als Zeichen des Dankes in die Hand drückte. Da lagen wir auf der Wiese, und tranken und tranken, bis der Bauch voll war.  Schlaraffenland! Ja, die Limonaden vom Wolf, die waren etwas wert für uns!

Ludwig Koschier

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