Wanderung ohne Auto: Hochlerch Traumrunde auf geheimen Pfaden
Ich liebe aufgelassene, geheime Pfade, die zwar teils kaum zu erkennen sind, aber mit wohltuender Stille und Einsamkeit belohnen. Der Hochlerch ist ein kleiner Bruder des populären Hochgern und wartet aber ebenso mit einer fantastischen Aussicht auf. Rundweg von Marquartstein im Achental, über die Schnappen Aussichtskapelle, mit leichter Kletterei auf Madonna und Luchsfallwandl, und zum Gipfel des Hochlerch hinauf.
♥ Start- und Zielhaltestelle: RVO-Bus Marquartstein Rathaus 542 m, über Bahnhof Prien oder Übersee
♥ Dauer: 6 Stunden
♥ Rundwanderung-Länge: 15,5 km
♥ Höhenmeter: 1.075 m
♥ max. Höhe: 1.520 m
♥ Anforderungen: Orientierung, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, leichte Kletterei (I)
♥ Einkehren: 3 Hütten
Von der Bushaltestelle am Rathaus in Marquartstein zur Brücke und über die Tiroler Achen. Hier kannst Du bereits das Tagesziel, den Hochlerch, über der mittelalterlichen Burg Marquart (erbaut 1075 n.Chr.) aufragen sehen. Über die alte Dorfstraße und die Burgstraße geht es dann steil an der Burg vorbei zum großen Wanderparkplatz hinauf.
Übers Windeck zur Schnappenkirche
Auch mitten in der Woche stehen hier schon etliche Autos. Ich gehe geradeaus weiter, ignoriere die Ausschilderung zum Hochgern, und folge dem schmalen, steinigen Pfad den Wald hinauf. Der trifft bald auf eine Forststraße und setzt sich nach links versetzt gleich weiter mit dem kleinen Hinweisschild zur Schnappenkirche. Bei der nächsten Kreuzung kurz der oberen Forststraße folgen, von der dann bald mein Pfad weiter geradeaus abschwenkt.
60 Höhenmeter steigt der Pfad im Wald hinauf bis ein deutlicherer Pfad kreuzt. Diesen schlage ich nach Links zum Windeck (780m) ein, einem ersten hübschen Aussichtspunkt auf einem Felszapfen.
Ein paar Meter zurück zweigen links Pfadpuren ab: ein sehr hübscher Steig längs des Grates der Kindlwand. Hier werden mir schon wildromantische Aus- und Tiefblicke geboten. Der Steig tangiert kurz den breiten Wanderweg zur Schnappenkirche, klettert im Wald noch höher bis er weiter oben an diesem Wanderweg endet.
Es geht nun links bequem weiter bis zur Schnappenkirche, von der aus Du einen tollen Blick auf den Chiemsee hast.
Kraxelei auf Madonna und Luchsfallwandl
Noch vor der Kirche schlage ich rechts in den schönen Wanderweg zur Staudacheralm ein, an der Südflanke des Schnappenberges entlang, und wandere bis zu einer Lichtung kurz vor dem Sattel. Hier zweigt sehr undeutlich ein Pfad nach rechts ab, der aber bald deutlicher wird.
Dieser wunderschöne Pfad führt immer auf einer Höhe bleibend an der Madonna vorbei zur Luchsfallwand. Ich statte den Felszacken einen Besuch ab. Auf den Gipfel der Madonna hinauf geht es direkt vom Weg weg in leichter Kletterei (I). Schwindelfreiheit und Trittsicherheit dringend erforderlich!
Ein Stück hinter der Madonna quert der Pfad unter der Luchsfallwand und steigt dann im Wald höher. An einer Weggabelung links weiter, wo gleich in der nächsten Kurve der Pfad zur Luchsfallwand abzweigt. Ich folge ihm und klettere über das brüchige Gestein zum Gipfel vor. Davon rate ich nun eher ab. Das ist wirklich Nichts für Unerfahrene! Auf dem Felszacken hat auch höchstens einer Platz. Aber der Blick vor Beginn der Kletterei ist lohnenswert.
Zurück am Pfad mündet der bald an einem Gatter zu den Wiesenflächen am Sattel oberhalb der Staudacher Alm. Ich quere die Wiese in einem Bogen, ansteigend Richtung des Grates zum Hochlerch. Dessen Gipfel ragt nun rechts neben dem deutlicheren Gipfel der Zwölferspitz vor mir auf.
Aufstieg zum Hochlerch
Wieder im Bergwald steigt der Pfad ein Stück neben der Abbruchkante den Grat hinauf. Hier kommt so gut wie nie Sonne hin und es ist immer feucht und rutschig. Vorsicht ist geboten.
Hast Du das etwas schweißtreibende Zickzack gemeistert stehst Du vor einer beeindruckenden Szenerie: da ist die Gipfelwand des Hochlerch, mit zerklüfteten Abbrüchen und Felsrippen darunter, und dem Ausblick über die Berge bis zum Kaisergebirge. Dieses Bild könnte vom Romantiker Caspar David Friedrich gemalt sein.
Zum Glück führt der Gipfelanstieg nicht durch die glatte Wand, sondern an ihr links vorbei und mit einer leichten, aber etwas ausgesetzten Kletterstelle, von Osten her hinauf. Diese Stelle ist etwas heikel. Absolute Trittsicherheit erforderlich!
Oben öffnet sich dann das fantastische Panorama über 270 Grad. Bis in die Ferne zur Alpenhauptkette. Auf dem ganzen Weg bis hierher sind mir nur Wanderer an der Schnappenkirche begegnet, und auch hier bin ich nun völlig allein! Das kleine Gipfelplateau lädt zum Rasten, Schauen und Genießen ein.
Abstieg vom Hochlerch
Ein gerade einmal Schuh-breiter Pfad durch die schräge Grasfläche am Gipfel leitet zur letzten Kletterstelle: eine kurze Verschneidung hinunter. Ein Seil soll beim Abklettern helfen. Dann geht es an einer kleinen Felswand entlang, und über einen steilen Grashang in den Wald hinein.
Wenn der Steig den Wald wieder verlässt siehst Du unter Dir das Hochgernhaus im Almgelände liegen. Daneben der Klein-Tibet-Felsen, und welch Aussicht!
Nun bietet sich hier eine Rast an, oder in den urigen kleinen Almhütten etwas unterhalb entlang der Almschotterstraße Richtung Marquartstein.
Dieser folgst Du nun die Serpentinen hinunter, an der Bergwachthütte und der romantischen Quelle unter dem großen alten Tannenbaum vorbei.
In der Kurve nach dem Wegkreuz auf dem Felsen rate ich Dir die Schotterstraße wieder zu verlassen und den schmalen Pfad geradeaus einzuschlagen.
Der führt gleich hinter dem Bergrücken recht hübsch entlang eines Weidezaunes zu einem Sendemasten an einer Forststraße hinunter. Hier rechts ein Stück entlang, mit Blick hinauf zu den Gipfelfelsen des Hochlerch, bis zur nächsten Rechtskurve.
Hier zweigt in der Böschung sehr unscheinbar ein Pfad ab. Der schlängelt sich wunderschön durch den Bergmischwald, wird immer breiter und mündet dann in den Normalweg von der Schnappenkirche.
Immer geradeaus weiter gelangst Du wieder zum Hochgern-Parkplatz und weiter zurück nach Marquartstein.
Einkehren: Hochgernhaus , Enzianhütte , Moaralm
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