Wendelstein: Gipfel und abenteuerlicher Abstieg nach Birkenstein

Wendelstein: Gipfel und abenteuerlicher Abstieg nach Birkenstein

Fortsetzung der Überschreitung des Wendelstein von Ost nach West, vom Gipfel der Kesselwand zur Sternwarte auf spannenden Wegen mit herrlichem Rundum Panorama. Abstieg über die Westflanke und den Gipfel der Kirchwand nach Birkenstein und Fischbachau.

♥  Start: Bahnhof Brannenburg (473 m)

♥  Ziel: Bahnhof Fischbachau (754 m)

♥  Dauer: 9 Stunden reine Gehzeit

♥  Länge: 23 km

♥  Höhenmeter: 1.660 m

♥  max. Höhe: ca. 1.838 m

♥  Anforderungen: Trittsicherheit, Ausdauer!

Einkehren: 4 Hütten

Aufteilung der Tour in 1 1/2 Tage mit Übernachtung auf der Mitteralm (1.199m) empfohlen.

Vom abenteuerlichen Gipfel der Kesselwand geht es auf dem Aufstiegssteig wieder hinunter. Am Soinwandsattel dann links in einen anfangs unscheinbaren Wiesenpfad biegen, der in zwei Schwüngen wunderschön durch die Latschen zum Brannenburger Steig hinunter führt.

Von der Kesselwand zum Wendelstein

Nun Richtung Süden zur Zeller Scharte. Der Gipfel des Wendelstein ist jetzt schon zum Greifen nah. Nur die zahlreichen Stufen auf dem steinigen Weg seitlich des Gipfelhangs zum Wendelsteinhaus hinauf kosten noch einiges an Kraft.

Gipfelweg zum Wendelstein

Die letzten Bahnen vom Wendelstein hinunter fahren um 17 Uhr ab. So eilen noch einige wenige Besucher zu den Bergstationen, dann ist der Gipfel wie leergefegt.

Gipfel mit Geschichte

Schon im 19. Jahrhundert war der Wendelstein ein beliebtes Gipfelziel. So wurde das Wendelsteinhaus (1.724m) bereits 1883 fertiggestellt, lange vor den Bergbahnen.

Wendelstein Kirche

Und da die Wirtsleute dort oben keine Möglichkeit mehr hatten in die Kirche zu gehen, wurde bis 1890 von Max Kleiber, einem Kunstprofessor aus München, Geld gesammelt, und das Wendelsteinkircherl errichtet. Neben dem Sendemasten und der Sternwarte ist diese höchstgelegene Kirche Deutschlands das Wahrzeichen des Wendelsteins.

Die vielen Serpentinen des künstlichen Panoramaweges zum Gipfel

Vor dem Wendelsteinhaus beginnt der befestigte und gut gesicherte Gipfelweg, als Rampe oder über Stufen, sich in zahlreichen Kehren zum Gipfel hoch zu winden. Dabei werden die letzten 100 Höhenmeter überwunden.

Sendemast und Sternwarte

Vor Sendemast und Sternwarte am Gipfel des Wendelstein

Vom ganzen Umland aus ist der Wendelstein an seinem Sendemasten zu erkennen. Seit 1954 versorgt der Sender bis heute Oberbayern mit Rundfunk und Fernsehen. 2005 wurde der Sendemast auf 60 Meter Höhe erweitert und auch von analoger zur digitalen Technik umgebaut.

Panorama Blick nach Westen vom Gipfel des Wendelstein

1941 gab es bereits ein militärisches Sonnenobservatorium auf dem Gipfel des Wendelstein. Das Thema waren Störungen des Funkverkehrs durch Sonnenaktivitäten. Heute beobachten Wissenschaftler in der Universitäts-Sternwarte am Wendelstein durch ein 2m-Spiegelteleskop den Weltraum.

Wunderschöner Panorama Blick nach Südosten vom Gipfel des Wendelstein

Ich sitze, und schaue, und genieße…

Es ist unglaublich! Ich bin völlig allein am Gipfel des Wendelstein! Die Aussicht ist fantastisch, in alle Richtungen. Und diese Stille! Ich höre den Flügelschlag der Dohlen, und das pfeifende Geräusch ihrer Sturzflüge. Dann plötzlich ein Geräusch wie aus einem Science-Fiction Film. Ich dreh mich um und sehe wie sich das große Observatorium dreht und langsam öffnet.

Wunderschöner Panorama Blick nach Nordwesten vom Gipfel des Wendelstein

Nach Nordwesten blicke ich auf das Massiv des Breitenstein, und den Schweinsberg davor. Dahinter liegt das Ziel meiner Tour: Fischbachau.

Abstieg

Beim Abstieg auf dem Gipfelweg zum Wendelsteinhaus kommt mir eine junge Frau entgegen. Aha, gibt es doch noch andere „Verrückte“ so spät hier oben. Eigentlich wäre ich hier ja gerne über Nacht geblieben, um sowohl Sonnenuntergang als auch den Aufgang in der Früh zu erleben. Doch da die Brandschutzvorschriften extrem verschärft wurden, darf im Wendelsteinhaus anscheinend nicht mehr übernachtet werden. Hätte ich mich doch vorher besser informieren sollen! Die nächste Hütte auf meinem Weg ist die Kesselalm. Dahin werde ich es hoffentlich noch bis zum Einbruch der Dunkelheit schaffen!

Abstieg über die Westflanke vom Wendelstein

Unterhalb des Wendelsteinhauses beginnt der Abstiegsweg über die Westflanke des Wendelstein. Bei der ersten Abzweigung gehst Du rechts weiter, querst die Schottermure, und steigst dann auf dem hübschen Steig unterhalb der mächtigen Felswände ab.

Wendelstein im Abendlicht

Dann teilt sich der Weg rechts Richtung Bad Feilnbach oder Brannenburg, links Richtung Birkenstein und Fischbachau. Beim Blick zurück strahlt der Gipfel im goldenen Licht der untergehenden Sonne.

Weg zu Elbach Alm und Kirchwand

Ich habe den linken Weg gewählt, der nun mit ganz sanftem Gefälle unterhalb des Türkenköpfl die Bergflanken quert. Vor der Elbach Alm zwischen dem Felsen und einer großen Tanne geradeaus (Der Wegweiser ist eingewachsen).

Gams am Gipfelkreuz der Kirchwand

Bald sehe ich die Durhamer Almen und die Aiblinger Hütte unter mir liegen, und direkt über mir den grasigen Gipfel der Kirchwand… und direkt beim Gipfelkreuz einen Gamsbock!

Gipfel der Kirchwand mit Wendelstein dahinter

Sonnenuntergang auf der Kirchwand

Da es hinter der Kirchwand (1.479m) zum Kesselhaus hinunter geht, möchte ich den baldigen Sonnenuntergang noch von diesem Gipfel aus beobachten. Über den Grashang geht es hinauf. Auf der Südseite wird die Kirchwand ihrem Namen gerecht, ein steiler Felsabsturz.

Sonnenuntergang mit wunderschönem Bergpanorama von der Kirchwand

Von hier habe ich nochmals einen wunderschönen Blick über hunderte von Gipfeln und ins Voralpenland hinaus, und direkt in den Sonnenuntergang hinein.

Es ist so wunderschön hier oben! Ein Stück weiter unten weidet eine Gruppe Gemsen, die wohl von jenem Gamsbock angeführt wird.

Sonnenuntergang mit wunderschönem Bergpanorama von der Kirchwand

Sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist, beeile ich mich zur Kesselalm hinunter zu kommen. Von der Kirchwand zum Sattel, dort rechts über den Zaun, und auf dem Holzweg zu einer Berghütte. Hier rechts weiter auf dem Fahrweg bis zur Forststraße unterhalb des Breitensteins. Ein Stück links unterhalb ist dann schon die Kesselalm zu sehen.

Kesselalm am Breitenstein

Der Wirt schenkt mir noch etwas zu Trinken aus und richtet mir ein Almkaasbrot her, doch übernachten könne ich nicht. Das ginge nur mit Voranmeldung und als Gruppe…

Toll! Ich bin schon ziemlich fertig, langsam wird es stockdunkel, und ich weiss nicht ob ich dann unten noch den letzten Zug erreichen werde.

Abstieg von der Kesselalm allein in dunkler Nacht

Abstieg im Dunklen, allein und durch den Wald

Zum Glück habe ich, auch als Frau, keine Angst ganz allein. Weder im Wald, noch in der Nacht. Als Beleuchtung habe ich jedoch nur die kleine LED-Funzel meiner Powerbank dabei. Die beleuchtet gerade einmal einen Meter-Kreis.

Doch ich liebe diese Atmosphäre. Es knackst und raschelt, ich weiß da eine Menge Getier neben mir, doch Keines von denen könnte mir schaden. Die haben ja eigentlich nur Angst vor MIR! In anderen Gegenden dieser Erde wäre das natürlich etwas Anderes!

Endlich bin ich in Birkenstein und habe diese letzten zwei Kilometer und 440 Höhenmeter im Dunklen geschafft. Bin dabei auch einmal so richtig gefallen, ohne mich jedoch zu verletzen. Nun ist es 22Uhr15 und der letzte Zug fährt um 22Uhr42 in Fischbachau. Doch dahin sind es noch über drei Kilometer! Da kommen drei Autos die Straße hinunter. Das Dritte lässt sich von mir aufhalten, und der freundliche Herr fährt mich zum Bahnhof obwohl er in der Gegenrichtung wohnt. Ende gut – Alles wunderbar!

Wow! Nun habe ich gezwungenermaßen die ganze Überschreitung an einem Tag in 11 Stunden geschafft. 🙂

Einkehren: Breitenberghütte (1.050m) , Mitteralm (1.199m) mit Übernachtung , Wendelsteinhaus (1.724m) , Kesselalm (1.279m)

Wanderung ohne Auto: Gipfeltraumtour über den Wendelstein

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